Ich habe 4 Monate lang an einem Character Design gearbeitet und genäht – und es hat mein Schreibstil komplett verändert!
In meinem letzten DIY-Post “Ich habe mein Character Design in ein Cosplay verwandelt", habe ich Schritt für Schritt gezeigt, wie ich eine Priesterrobe entworfen und genäht habe. Doch warum habe ich das getan, und was hat das alles mit Worldbuilding, dem Schreiben, meinem Fantasyroman und Character Development zu tun?
Und wie konnte ich dadurch nicht nur meinen Schreibstil,
sondern auch mein Worldbuilding verbessern?
Das erfährst du in diesem Beitrag – also bleib dran.
Der Ursprung der Idee
Ich schreibe gerade an meinem ersten Roman und fing damit an, über das Königreich, die Umwelt, die Kleidung – kurzum die Kultur – zu brainstormen, mit denen meine Protagonisten konfrontiert sind. Für meine Protagonistin musste ich ein spezielleres Design entwerfen, das natürlich auch zur Umgebung passt. Denn in meinem ersten Roman befinden wir uns in einer eisigen Umgebung, in der man nicht mit einem Tanktop überleben kann. Abgesehen von den Lebensumständen ist die Kleidung ein Symbol für die Kultur und die Traditionen eines Volkes.
Symbolik und Bedeutung des Designs
Schülerrobe der Wyldheart Academy - erster Entwurf.
In meinem letzten Beitrag habe ich bereits über die Symbolik meines Designs gesprochen, welche Materialien ich verwendet habe und meinen Gedankengang dahinter. In diesem Beitrag jedoch möchte ich dich nicht in das Design mitnehmen, sondern erklären, warum es für mich wichtig war, dieses Design zum Leben zu erwecken, um mein Worldbuilding zu vertiefen.
Funktionalität statt reiner Ästhetik
Für mich war es wichtig zu wissen, ob das Design funktioniert. Und damit meine ich nicht optisch, sondern auch praktisch. Natürlich spielt Magie in meiner Welt eine große Rolle, und gerade in diesem Königreich steckt sie in allem, was du dir vorstellen kannst – sogar in der eigenen Kleidung.
Einerseits brauchte ich ein eher luftiges und reines Design, wie das der Mönche in ihren Tempeln. Andererseits wollte ich aber auch nicht, dass die Charaktere sich zu Tode frieren, also versuchte ich, ein „Zusammenspiel“ zu erwirken.
Magie ist ein großer Teil der Kleidung: Die Kristalle zum Beispiel und die Schnörkelungen erzeugen Wärme und leiten sie durch die gesamte Kleidung. In echt habe ich leider keine Magie, weshalb es für mich wichtig war herauszufinden, ob das Design auch ohne Magie funktionieren kann und warm hält – trotz der luftigen Unterbekleidung der Priester und Schüler.
Von Runen zu Kristallen – ein stimmigeres Konzept
Eldwyns Priester Uniform | Concept Art Design - Wyldheart Studio
Tatsächlich hatte ich zuerst Runen im Kopf, die in den Stoff eingewebt waren. Doch während ich mich mit dem Material befasste, kam die Idee mit den Kristallsplittern dazu, weil es ein essenzielles Merkmal für die Hauptstadt ist, in welcher meine Protagonisten ihre Geschichte erleben. In meinem Roman gibt es nämlich einen magischen Kristall, um welchen die Hauptstadt erbaut wurde. Splitter dieses Kristalls stellen wieder eine Verbindung zur Stadt und den Traditionen her und machen auch aus magischer Sicht einfach Sinn. Sie sind mit der Quelle verbunden, die Quelle ist in die Kleidung eingewebt – es war für mich einfach ein stimmigeres Bild, als die Kleidung nur mit Runen zu besticken.
Der Herstellungsprozess als Eintauchen in die Welt
Das Raussuchen der Materialien und die Herstellung gaben mir das Gefühl, als würde ich wirklich wie ein Schneider in dieser Welt sitzen, um eine Robe für einen Schüler anzufertigen. Ich konnte mich in eine Rolle versetzen, die mich in meine eigene Welt eintauchen ließ, und dabei habe ich wirklich ein Gespür für das Material bekommen, das ich verwendet habe, und dafür, was miteinander realistisch funktionierte. Es ging nicht nur um den Look allein, sondern auch um das Gefühl, wenn ich diese Robe trage, denn erst dann konnte ich wissen, ob das Design für mich wirklich Sinn machte.
Der Praxistest: Tragen, Fühlen, Verstehen
Ich probierte die Robe selbst an. Das Gewicht des Umhangs lag schwer auf meinen Schultern, doch nicht so schwer wie ein Wintermantel, den man wie eine Schleppe hinter sich herzieht. Das Kunstfell, das ich in die Kapuze eingewebt hatte und das sich auch am Oberteil befand, hielt mich definitiv warm. Ich persönlich fand es bequem zu tragen, luftig leicht, und doch gab es eine Wärme ab, die mich vor Kälte schützen konnte.
Die Protagonistin zum Leben erwecken
Als ich mit dem Cosplay fertig war, habe ich meine liebe Freundin mary_misantrophe in das Kostüm und gleichzeitig auch in die Rolle meiner Protagonistin gesteckt. Sie testete das Design und fühlte sich wohl darin. Ich hatte auch ein kleines Set aufgebaut und nutzte die Chance, das Ganze zu fotografieren. Dadurch habe ich nicht nur eine ganz andere und lebendige Vorstellung meines Charakters erhalten und davon, wie sie mit ihrer Umgebung interagiert, sondern auch von der Kleidung und davon, wie sie in eine Akademie-Umgebung hineinpasst.
Was bringt das für das Worldbuilding & den Schreibstil?
Also, wie genau konnte mir das alles jetzt beim Worldbuilding helfen?
Wie half es mir, mein Schreiben zu verbessern?
Und ist dieser ganze Aufwand überhaupt notwendig?
Zuallererst: Nein, dieser Aufwand ist natürlich nicht notwendig, um einen guten Charakter oder eine Kultur zu schreiben. Ich persönlich liebe es aber, nicht nur kreativ zu werden, sondern auch auf diese außergewöhnliche Weise komplett in meine Welt abzutauchen. Es ist mein Weg der Recherche, um diese dann in etwas umzuschreiben, das man nicht nur lesen, sondern auch fühlen und sich bildlich vorstellen kann.
Durch das Hantieren mit den Materialien, das Fotoshooting und Co. habe ich ein Gefühl dafür bekommen, wie sich die Materialien auf der Haut anfühlen, wie ich sie im Buch beschreiben und bildlicher darstellen kann und – durch das Shooting – wie sie mit der Umgebung interagieren. Im Grunde genommen lernte ich durch das Schaffen und die Beobachtung bessere Wege, bildliche Umschreibungen zu finden, Materialien zu nennen, die auch wirklich Sinn machen (denn ich kenne mich damit wirklich nicht aus), und somit ein stimmiges Bild für mich und später auch im Roman für den Leser zu erschaffen.
Fazit
Das Erwecken des Designs zum Leben war für mich weniger ein notwendiger Schritt als vielmehr ein persönlicher Zugang zu meiner eigenen Welt. Durch das praktische Arbeiten, das Tragen der Kleidung und das Beobachten, wie sie sich anfühlt und mit der Umgebung interagiert, konnte ich mein Worldbuilding auf eine tiefere, greifbarere Ebene bringen. Diese Erfahrung hilft mir dabei, authentischer zu schreiben, Details bewusster wahrzunehmen und meine Welt nicht nur zu beschreiben, sondern sie wirklich zu verstehen.
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